Auszug aus der Festschrift:

50 Jahre Faschingsgilde St. Gilgen (1954-2004)

Die Gründung der Faschingsgilde „Schwarze Hand“ wurde 1955 gefeiert und schon zu dieser Zeit wählte man jene drei Präsidenten, welche im Laufe der Zeit Faschingsgeschichte schrieben, nämlich die drei späteren Ehrenpräsidenten Josef Kendler, Sepp Meindl und Alfred Pfeffer.

Schon damals wurde Otto Fischer als Organisationschef in die Gilde gewählt.
Dieses Talent stellte er auch dann viele Jahre zusätzlich in den Dienst des Bundes Österreichischer Faschingsgilden in seinen sämtlichen Funktionen.

Begonnen hat es ja schon viel früher, St.Gilgen war ja immer ein Zentrum des Faschings. Diese Ehrenpräsidenten bauten auf eine Tradition auf, welche es bereits am Anfang der dreißiger Jahre zu glanzvollen Faschingsvorführungen gebracht haben. Weit blickend wurde bereits 1954 der Staatsvertrag am Faschingdienstag in St.Gilgen unterzeichnet. Auszugsweise ein Artikel von damals aus dem „Salzburger Volksblatt“:

Es ist nicht zu glauben! Was in neunjährigem Ringen nicht gelang, in St.Gilgen wurde es am Faschingdienstag historische Tatsache. Die vier Außenminister unterzeichneten im Beisein unseres hoch verdienten Außenministers den Staatsvertrag. Freilich waren ausgesuchte Diplomaten am Werk! mit viel Geist im Kopf und im Magen voll des guten Willens und Weines. Molotow (privat Tapezierermeister Köstler) konnte gar nicht anders, als unter der Einwirkung edlen Branntweines und der Uberredungskunst des Vertreters der USA (verkörpert durch Postwirt Ramsauer) und des Charmes unseres gewesenen Bundeskanzlers (frech kopiert durch Architekt Meindl) zu unterschreiben! Schließlich waren auch der edle Brite Beutlhauser sowie der Vertreter Frankreichs unermüdlich im Dienste des Friedens tätig. Hoch vom Himmel schwebte mit silbrigen Schneeschuhen und prächtigen Ganslflügeln der Friedensengel (irdisch tätig als Installateur Hegenbart) und gab seinen Segen. Ein guter, wenn auch ziemlich frivol aussehender Geist der guten Sache war die Sekretärin der Konferenz (Gastwirt Kendler stellte seine schnittige Gestalt in den Dienst eines Vamps). Das hat St.Gilgen wieder einmal gut gemacht!

Der Erfolg war so groß, dass es 1955 dann zu der bereits beschriebenen Gildengründung kam, welche seither immer als reine Männer-Gilde besteht. Ausnahme ist nur das weibliche Servierpersonal bei den Sitzungen, welches aber aus Vorsichtsgründen jedes Mal zur Verschwiegenheit vereidigt wird.

Ursprünglich war der Höhepunkt des Faschings der Faschingdienstag am Mozartplatz. Daneben hielt die Gilde im Laufe des Faschings eine öffentliche Gildensitzung in der Form eines Gildenabends ab, an dem hauptsächlich die örtlichen Ereignisse humorvoll kommentiert wurden. Der Zulauf zu dieser Veranstaltung nahm von Jahr zu Jahr zu, sodass die Wirtsstube von seinerzeit die Massen nicht mehr fasste und man sich entschloss, diesen Gildenabend im großen Rahmen mit ca. 300 Zuschauern zu veranstalten, Bis Anfang der siebziger Jahre war es nicht schwer, am Faschingdienstag einer begeisterten Menge Programm zu bieten.
Unvergessen sind die „Stars aus Hollywood in Metro-Goldwyn-Silber“ (1957), „Hinter dem Mond“ (1959), 1961 die Aufführung des „Jedermann“, 1968 „Saison in St. Gilgen“ mit der ersten Auffahrt der Lokalbahn (Gruppe Weber), Gebirgsmarine und viele mehr! 1970 dann „Dracula“ oder 1976 die „Dritte Olympiade in St. Gilgen“.

Durch die geänderten Arbeitsbedingungen und die Verbreitung des Fernsehens gingen die Besucherzahlen zurück, bis schließlich 1976 vorläufig Schluss mit den Faschingdienstag-Aufführungen am Mozartplatz war. Erst im Jahre 1985 besann man sich unter dem neuen Präsidium wieder auf die alte Faschingstradition und seitdem geht es auch am Faschingdienstag wieder aufwärts.

1987 waren die Darbietungen der „Spanischen Hofreitschule“ sicher sehenswert. Derzeit besteht das Präsidium aus Kendler Sepp, Greschner Josef (Umi) und Stadler Heinz. Sie bemühen sich, die alten Traditionen hochzuhalten, was auch unter den Gildenmitgliedern, welche sich aus allen Altersschichten zusammensetzen, eine positive Aufwärtsbewegung zur Folge hat.

So werden wir auch weiterhin versuchen, den Fasching in St.Gilgen hochzuhalten getreu unserem Motto:

Um die Narrn der Schwarzen Hand
schlinget sich ein festes Band
ob sie arm sind, oder reich,
Narrenmütz macht alle gleich.
Um die Narrn der Schwarzen Hand
schlinget sich ein festes Band

 

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